Beim Gastspiel der Schloßborner Laienbühne spielen Kinder für Kinder
Von Christian Bubenheim
Wenn es beim Kultur- & Förderkreis wieder November und damit Kindertheaterzeit ist, dann dürfen sich die Kleinen und ihre Eltern stets auf etwas Besonderes freuen. Zufriedene Gesichter und immer ein paar mehr Besucher sind die Bilanz beim Kindertheater der letzten Jahre. Doch mit so vielen Kleinen wie diesmal hat wohl kaum jemand gerechnet – die süßen Getränke und Snacks am Verkaufsstand sind kaum da und schon weg. Kein Wunder ist dieses Hin-Und-Weg, denn diesmal sind es nicht Erwachsene, sondern Kinder gewesen, die in hinreißender Manier ihre Altersgenossen unterhalten haben.
Allen voran die Darstellerin der Kleinen Hexe (Marlen Kanning), die mit ihrem Gefährten, dem Raben Abraxas (Tatjana Ott) nicht nur das eineinhalbstündige Abenteuer erlebt, sondern zusammen mit ihrer Begleiterin souverän gewaltige Textmengen vorgetragen hat. Bemerkenswert sind nicht nur die liebevoll ausgearbeiteten Kostüme von Michele Kunz und das gewichtige Bühnenbild von Michele, Florian und Manfred Kunz, nicht nur die Regiearbeit von Mary Kuhn und Christiane Böer, sondern vor allem die Ensembleleistung.
Der strenge Förster und verwunderte Bürgermeister Jan Staab und der als „billiger Jakob“ bezeichnete Krämer Tim Staab brillierten mit herrlich selbstironischem Spiel, die Holzweiber Carlotta Böer, Franziska Inacio-Klomann und Miriam Kuhlemann zeigen in wunderbarer Weinerlichkeit ihre Not, und der selbstverliebte Schützenhauptmann Marco Maiworm vortrefflich jene Schrulle und Ego-Farce, die vielen selbsternannten Dorfhoheiten und Vereinsmeiern gemein ist. Gerade die Nebenfiguren gewinnen durch die Interaktionen der kleinen Hexe an Bedeutung, so dass der ratlose Gehilfe Tobias Kuhlemann, die von Lisa Ring verkörperte Muhme Rumpumpel, das Blumenmädchen mit dem passenden Vornamen Flurina und dem Nachnamen Otto, Vroni alias Franziska Hötschl oder Herr Pfefferkorn, gespielt von Marco Maiworm, sowie der als Thomas auftretende Yannick Horn ins Zentrum gerückt werden. Sogar das Leben eines Ochsen, unter dessen Fell sich Florian Kunz und Florian Schrimpf verbergen, ist in der Schützenszene wichtiger als der Schuss ins Schwarze – die Bewegung zum Muhen eine Augenweide. Wenn am Ende der Episoden im Showdown die Knusper-, Kräuter-, Moor-, Wald-, Wind- und Oberhexe Michelle Schmitt, Miriam Kuhlemann, Selina Wolf, Carlotta Böer, Anna Ring und Antonia Weirich ihre Zauberkraft verlieren, sind viele Episoden unvergesslich geblieben.
Am wichtigsten ist, und das wird die Kinder auf der Zuschauerseite überzeugt haben, dass alle Darstellerinnen und Darsteller mit Liebe am Spiel, Hingabe und Mut dabei gewesen sind. So dürfen sich Kinder wie Erwachsene auf weitere Projekte der Schloßborner Laienbühne freuen, um die schauspielerische Karriere und persönliche Entwicklung der „Hexenfamilie“ hautnah mitzuerleben.
Die Beziehungen des Kultur- und Förderkreises e.V. zur Schloßborner Laienbühne e.V. haben sich gelohnt und sind ein Zeichen guter Zusammenarbeit zwischen den Vereinen. Dies zeigt, was durch ehrenamtliche Tätigkeit auf beiden Seiten alles möglich ist – und Kinderherzen zu erfreuen gehört sicherlich zu den angenehmsten Dingen.
Kinder haben auch beim vom Kultur- und Förderkreis veranstalteten Malwettbewerb ihre Visionen von der kleinen Hexe zu Papier gebracht. Die Plakate ziert so die von Elias Ohly gezeichnete Hexe, wenn auch die beiden anderen Bilder von Luis Daniel auf dem zweiten und Vanessa Devesa auf dem dritten Platz kaum weniger schön ausgefallen sind. So haben sich alle kleinen Künstlerinnen und Künstler ihre Wundertüten mit allerlei Leckereien redlich verdient.
